HOGAR Beit Israel

Hauptaufgabe der Institution

El Hogar (spanisch für das Heim) wurde 1950 in Form einiger, im Raum Santiago de Chile angemieteter Wohnhäuser gegründet, um hilfsbedürftigen älteren Mitgliedern der israelitischen Gemeinde in Chile – viele von ihnen Flüchtlinge aus Europa – eine Unterkunft für ihren Lebensabend zu bieten. 1954 wurde der Bau eines eigenen Gebäudes im Stadtteil Ñuñoa beschlossen und durch Spendenmittel der Gemeinde finanziert. Das Heim bekam den Namen ‚Villa Israel’. An diesem Standort verblieb das Altersheim für mehrere Jahrzehnte, auch die ersten beiden Gedenkdienstleistenden arbeiteten dort. Seit dem Jahrgang 2010/11 ermöglich der Verein jungen und engagierten Menschen einen Gedenkdienst an dieser Einsatzstelle. 2010 wurde schließlich die Errichtung eines neuen Gebäudes in Lo Barnechea, einem weiter auswärts gelegenen Stadtteil, abgeschlossen. In Lo Barnechea befindet sich auch das jüdische Kulturzentrum mit der größten Synagoge des Landes. Das Heim wechselte seinen Standort und seine Bezeichnung. Heute trägt es den Namen ‚Beit Israel’. Das Gebäude bietet eine Umgebung, in der persönliche, soziale, kulturelle und auch religiöse Bedürfnisse gedeckt werden, eine ausgezeichnete medizinische Versorgung sowie ein naturnahes Umfeld durch die Lage am Stadtrand von Santiago. Der Kernbereich ist die Abteilung für Rehabilitation, in der die BewohnerInnen im Rahmen unterschiedlichster Aktivitäten, Werkstätten und Therapien auf einen unabhängigen und würdevollen Lebensabend vorbereitet werden. Derzeit beherbergt das Heim ‚Beit Israel’ knapp 150 BewohnerInnen, von denen ein Teil Jüdinnen und Juden chilenischen Ursprungs sind und die andere bedeutende Gruppe sind jüdische Menschen, die aus Europa stammen und kurz vor oder während des Zweiten Weltkriegs aus ihrer alten Heimat flüchten mussten. Obwohl sich die Mehrheit der Menschen vor allem als Chileninnen und Chilenen sehen, ist der persönliche Bezug zu Europa weiterhin stark. Neben Spanisch wird Deutsch, Jiddisch, Ungarisch, Polnisch, Englisch und Französisch gesprochen.

Aufgabenbereiche der Gedenkdienstleistenden
  • Teilnahme an / Leitung von Workshops
  • Bibliotheksarbeit
  • Persönliche Gespräche mit BewohnerInnen des Heimes
  • Hilfestellung jeder Art, Ansprechpartner (für BewohnerInnen und MitarbeiterInnen)
  • Begleitung bei Behördengängen oder ähnlichem; seltener: Hilfestellung bei Anträgen für Wiedergutmachungszahlungen, Kommunikation mit Behörden

Die Arbeit der Gedenkdienstleistenden

Die/der Gedenkdienstleistende arbeitet hauptsächlich in der Abteilung Beschäftigungstherapie. Im Rahmen dessen machen die BewohnerInnen meist einstündige Aktivitäten, welche sie stimulieren, fordern und natürlich auch unterhalten sollen. Die Ergotherapie sieht vor, Menschen dazu zu bringen, selbstständig Entscheidungen zu treffen, sich zu engagieren, aus eigener Motivation einzubringen; Érgon als sinnstiftendes Element in einem Alter, in dem man selbst nicht mehr arbeitet und sich auch um niemanden mehr kümmern muss, außer um sich selbst. Jeden Tag gibt es andere Angebote; Workshops, in denen man bastelt, schreibt, liest, Gesprächsrunden, in denen man sich z.B. mit Religion oder Politik beschäftigt, Gymnastikstunden, Spielerunden und vieles mehr. Die/der Gedenkdienstleistende hilft dort aus, wo gerade Hilfe benötigt wird. Auch Eigeninitiative wird sehr gerne gesehen, in dem man z.B. selbst einen Workshop durchführt. Des Weiteren sind Gedenkdienstleistende mitverantwortlich für die Bibliothek im Altersheim, die in etwa 2.000 Exemplare umfasst. Man katalogisiert neue Bücher und hilft bei Entlehnungen. Die Bibliothek fungiert auch als ‚Büro’ der/des Gedenkdienstleistenden, wohin BewohnerInnen jederzeit mit jeglichen Anliegen kommen können. Es ist wichtig, immer ein offenes Ohr zu haben. Manchmal muss man jemanden zur nächsten Bank oder zur Ärztin oder zum Arzt oder ins Kaffeehaus, in den Supermarkt begleiten. Ein anderes Mal will jemand eine Email an Verwandte schreiben, eine Partie Schach spielen oder einfach nur Reden. Das ist der wichtigste (und beste) Teil der Arbeit: die Beschäftigung mit den Menschen im Heim. Übrigens: die Ankunft der/des ‚neuen’ joven austriaca/austriaco wird im Hogar Beit Israel von Belegschaft und den BewohnerInnen jedes Jahr mit viel Freude antizipiert.

 

Doris Reinbacher

Wohn- und Lebensbedingungen, Lebenshaltungskosten, Sicherheit

Chile ist zwar eines der wohlhabendsten Länder Südamerikas, die/der Gedenkdienstleistende wird sich dennoch auf eine Umstellung gefasst machen müssen. Die Standards sind definitiv niedriger als in Österreich, was den Alltag aber umso spannender gestaltet. In Santiago de Chile wird einem jeden Tag aufs Neue die Schere zwischen Arm und Reich aufgezeigt. Während einige Gegenden in der Millionenstadt von sichtbarer Armut geprägt sind, gehen finanziell besser gestellte Menschen in Hochglanzbezirken, wie Vitacura oder Las Condes, ihrem Lifestyle nach. Bezüglich der Sicherheit gelten die gleichen Regeln wie überall: Vorsicht ist gerade in den ärmeren Wohngegenden ratsam. 

Santiago erfreut sich großer Beliebtheit bei europäischen StudentInnen, weshalb es zahlreiche gut gelegene Wohngemeinschaften gibt, in denen man schnell Anschluss an andere junge Menschen, Bekannte und FreundInnen findet. Auch sind die Zimmerpreise erschwinglich. Erschwinglich heißt aber nicht unbedingt billig, man kann damit rechnen, um die 300 Euro für ein Zimmer zahlen zu müssen, je nach den Ansprüchen, die man hat, auch mehr. Lebensmittel und dergleichen kosten in etwa gleich viel wie in Österreich, die öffentlichen (privat betriebenen) Verkehrsmittel sind sogar teurer. Anmerkung: Die Lebensfreude der Chileninnen und Chilenen, die atemberaubende Natur und die reiche Kultur machen Santiago de Chile jeden Tag zu einem Abenteuer.

Folgende Anforderungen sollten erfüllt werden

Die/der Gedenkdienstleistende sollte vor allem Freunde an der Arbeit mit älterne Menschen haben und Interesse an Workshops sowie Aktivitäten mit den BewohnerInnen. Wichtig sind Geduld, Einfühlungsvermögen, Eigeninitative und immer ein offenes Ohr für die BewohnerInnen zu haben.

 

  • Freude am Umgang mit anderen Menschen
  • Hilfsbereitschaft und Geduld
  • Basic Spanisch-Kenntnisse sind sicher von Nutzen
  • Selbstständigkeit
  • Eigenverantwortung
Kontakt

 

Ausgewählte Literatur