Die sowjetischen Speziallager in der SBZ – etwa das Speziallager Nr. 7/1 in Sachsenhausen – waren Orte von Internierung, Hunger, Krankheit und tausendfachem Tod. Seit den 1940er Jahren wurden sie im Zeichen von Antikommunismus und Totalitarismustheorie vielfach als „rote Konzentrationslager“ bezeichnet und mit den nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslagern gleichgesetzt – teils sogar als schlimmer dargestellt. Die Ortsgleichheit in Sachsenhausen begünstigte solche Deutungen. Sie fügten sich in politische Erinnerungskonflikte und einen dominanten Opferdiskurs der postfaschistischen deutschen Gesellschaften ein, der Deutsche als Opfer von Krieg und Vertreibung präsentierte und Bedürfnisse nach Schuldabwehr bediente.
Der Vortrag analysiert diese geschichts- und memorialpolitischen Kontroversen und fragt, wie sich die Speziallager zwischen berechtigter Kritik an stalinistischer Repression und problematischer Gleichsetzung mit dem NS-Vernichtungsterror verorten lassen. Er zeigt zudem, wie postfaschistische Denk- und Deutungsmuster fortwirkten und sich unter anderem in rechtsextremen Netzwerken in SBZ und DDR manifestierten.
Es zeigt sich ein Wandel in der Neonaziszene: Eine neue Generation rechtsextremistischer Jugendlicher, die öffentliche Raumnahme und Gewalt nicht scheut. Was unterscheidet heutige rechtsextremistische Jugendgruppen von früheren – insbesondere im Osten Deutschlands? Und was lässt sich dagegen tun?
Vortragender: Dr. Enrico Heitzer | Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen, Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten