Antisemitismus geht im völkischen Denken nicht selten mit einem romantisierenden Naturglauben, Verschwörungsfantasien und esoterischen Weltdeutungen einher. Der Vortrag von Isolde Vogel widmet sich den historischen wie auch inhaltlichen Kontinuitäten vom Glauben an eine „natürliche Lebensweise“ und das Recht des Stärkeren, Wissenschafts- und Impfablehnung, Volkskörperkult, Naturheilkunde und nicht zuletzt Antisemitismus. Historisch und ideologiekritisch sollen diese Phänomen in das ambivalente Verhältnis zur modernen Gesellschaft eingebettet und Ansätze zur Erklärung eines antisemitisch und völkisch begründeten Naturglaubens präsentiert werden. Die ideologiekritische Einordnung offenbart dabei nicht nur historische Zusammenhänge, sondern fordert auch eine kritische Auseinandersetzung mit gegenwärtigen Formen reaktionären und anti-aufklärerischen Naturglaubens. Neben der Analyse ideengeschichtlicher Parallelen von der völkischen Bewegung und dem Nationalsozialismus bis hin zu aktuellen Angeboten der extremen Rechten, geht es im Vortrag daher um die Argumentationsmuster und Motive, mit denen Jüdinnen und Juden als „künstlich“ und die völkische Gemeinschaft wiederum als „natürlich“ begriffen wird.
Isolde Vogel ist Historikerin und forscht zu Antisemitismus, Rechtsextremismus sowie der Geschichte und Ideologie des Nationalsozialismus und der völkischen Weltanschauung. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin des Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW) in der Abteilung Rechtsextremismusforschung und war zuvor in verschiedenen Projekten für die Österreichische Akademie der Wissenschaften, das Yad Vashem Archiv und als Lehrbeauftragte der Universität Wien tätig.