Yad Vashem

Hauptaufgabe der Institution

Yad Vashem wurde 1953 aufgrund eines Beschlusses der Knesset, dem israelischen Parlament, als nationale israelische Gedenkstätte zur Erinnerung an den Holocaust gegründet. Die Gedenkstätte ist in ihrer Form als Dokumentationszentrum weltweit einzigartig. Die Institution sieht es als ihre Aufgabe an, das Andenken an die sechs Millionen ermordeten Jüdinnen und Juden sowie an die Tausenden ehemals blühenden Gemeinden, die von den NationalsozialistInnen vernichtet wurden, zu bewahren. Um dieses Ziel zu erreichen, befinden sich in Yad Vashem zwei Museen – das Historische Museum und das Museum für Kunst im Holocaust –, Räumlichkeiten für temporäre Ausstellungen sowie verschiedene Gedenkstätten, wie etwa die Gedenkhalle, das Tal der Gemeinden, die Kindergedenkstätte oder die Allee der Gerechten. Zudem gibt es in Yad Vashem ein Archiv mit ca. 60 Millionen Dokumenten und 80.000 Photographien, eine umfangreiche Bibliothek und ein Forschungsinstitut.

Aufgabenbereiche der Gedenkdienstleistenden
  • Inhaltliche Arbeit mit historischen Dokumenten
  • Katalogisierung von Archivalien
  • Nachforschungen über einzelne Opfer des Holocaust
  • Bearbeitung diverser Anfragen an das Archiv
  • Mitaufbau des digitalen Archivs von Yad Vashem
  • Empfang und Führung offizieller österreichischer Delegationen
  • Eventuelle Teilnahme an Führung offizieller internationaler Delegationen
  • Teilnahme und eventuelle Mitarbeit bei der Organisation deutschsprachiger Seminare und Tagungen an der International School for Holocaust Studies
  • Übersetzungsarbeiten für das Archiv
  • Kooperationsarbeit mit der International School for Holocaust Studies, wie z.B. Briefverkehr, Gruppenbetreuung, Onlinekurskorrespondenz sowie Hilfe bei pädagogischer Arbeit

Die Arbeit der Gedenkdienstleistenden

Die Arbeit der/des Gedenkdienstleistenden besteht hauptsächlich aus zwei großen Teilbereichen, die sich aus der inhaltlichen und technischen Bearbeitung von Dokumenten zusammensetzen. Inhaltlich besteht die Aufgabe darin, kurze Rezensionen einzelner Akten zu verfassen, u.a. für das gerade im Aufbau befindliche digitale Archiv, das weltweit größte seiner Art. Hierbei kann es sich um offizielle Befehle oder Mitteilungen höherer NS-Verwaltungsstellen, Tagebücher, Briefe, Einsatzberichte, etc. handeln. Das Hauptaugenmerk wird dabei auf die Erforschung der Opfer gelegt. Bei der technischen Arbeit geht es um das Katalogisieren von zugesendeten Materialien. Außerdem steht die/der Gedenkdienstleistende für diverse Anfragen bezüglich einzelner Opfer der Shoa, kurze Übersetzungsarbeiten (Englisch-Deutsch, Deutsch-Englisch) sowie für die allgemeinen Unterstützung der MitarbeiterInnen im Archiv zur Verfügung. Während des Gedenkdiensts wird es voraussichtlich vorkommen, dass offizielle österreichische sowie sonstige internationale Delegationen (PolitikerInnen, JournalistInnen, etc.). Yad Vashem besuchen werden, da Yad Vashem bei offiziellen Besuchen in Israel ein Pflichttermin ist. In so einem Fall ist es die Aufgabe der/des Gedenkdienstleistenden diese österreichischen Delegationen zu empfangen und beim Rundgang durch die Gedenkstätte zu begleiten. Es besteht zusätzlich die Möglichkeit, eine Ausbildung zum Guide für das historische Museum zu machen und somit deutschsprachige Gruppen durch Yad Vashem zu führen.

Wenn an der International School for Holocaust Studies deutschsprachige Seminare stattfinden, kann nach Absprache mit der Leitung des Archivs ebenfalls an diesen teilgenommen werden. Im Jahr 2010/11 begann sich eine intensivere Kooperation zwischen dem Archiv und der International School for Holocaust Studies zu entwickeln, was für die Gedenkdienstleistende oder den Gedenkdienstleistenden eine positive Erweiterung der Einsatzbereiche in Yad Vashem und somit zu einer noch abwechslungsreicheren Arbeit führt. Yad Vashem hat als größte Holocaust Gedenkstätte weltweit eine herausragende internationale Reputation und hat großes Interesse die/den Gedenkdienstleistenden daran teilhaben zu lassen. Die Atmosphäre ist trotz des Trubels dennoch persönlich und freundlich. Die/der Gedenkdienstleistende wird sich schnell als gut integrierte/r MitarbeiterIn von Yad Vashem fühlen.

 

Hannah Roth

Wohn- und Lebensbedingungen, Lebenshaltungskosten, Sicherheit

Die Preise in Jerusalem bzw. in Israel sind etwas teurer als in Österreich. Eine Wohnung wird von der Einsatzstelle nicht zur Verfügung gestellt. Es gibt einige gute Homepages auf denen leistbare Wohnungen zu finden sind; diese sind allerdings zumeist in hebräischer Sprache. Es wird geraten rechtzeitig mit der/dem Gedenkdienstleistenden vor Ort Kontakt aufzunehmen, bzw. zusammen mit einer Person, die Hebräisch spricht, im Internet nach einer geeigneten Wohnung zu suchen oder vielleicht sogar die Wohnung der/des aktuellen Gedenkdienstleistenden weiter zu mieten. Eine leistbare Wohnung sollte im Durchschnitt nicht mehr als 2.000 NIS (inklusive aller anfallenden Gebühren) kosten. Der Vorteil an einer Einsatzstelle in Israel (Tel Aviv, Akko oder Jerusalem) ist sicherlich die überschaubare Größe des Landes. Jeder Ort ist schnell und sogar preiswert zu erreichen, sei es das Mittelmeer, das rote Meer oder das Tote Meer, Städte, wie Tel Aviv, Haifa, Eilat oder Akko, die Wüste Negev, die Oasenlandschaft Ein Gedi oder der See Genezareth. Das Klima ist durchwegs sehr warm. In Tel Aviv und Akko ist es manchmal leider unangenehm schwül und in Jerusalem ist es vor allem im Winter oftmals sogar ziemlich kalt. 

Jerusalem ist eine unglaublich spannende Stadt mit zahlreichen Möglichkeiten (außer vielleicht am Shabbath) und einer wechselvollen Geschichte von internationaler und politikbestimmender Bedeutung. Zentral gelegen ist das lebendige Tel Aviv und das Tote Meer in etwas mehr als einer halben Stunde bequem zu erreichen. Yad Vashem bezahlt die Monatskarten für die Busse und Straßenbahn in Jerusalem. Es gibt einen Rabatt auf das Essen in der Mensa und im Store. Zu zusätzlichen Fragen, wie der aktuellen politischen Lage in Israel, ist es empfehlenswert sich an die derzeitige Gedenkdienstleistende oder den derzeitigen Gedenkdienstleistenden und an die Stellenbetreuerin oder den Stellenbetreuer zu wenden. Generell sind die Sicherheitsvorkehrungen hier aber auf einem sehr hohen Standard. Es ist jedoch ratsam, nicht nur für den Bewerbungsprozess, sondern auch aus sicherheitstechnischen Gründen das aktuelle Geschehen medial zu verfolgen. Die beste und genaueste offizielle Information hierzu bietet die Internetseite des deutschen Außenministeriums für Israel. Inoffiziell sind es meist Zeitungen, wie Jerusalem Post oder Haaretz English Edition, die einem auch online ein gutes Bild von der Sicherheitslage sowie der tagespolitischen Lage geben.

Folgende Anforderungen sollten erfüllt werden

Die/der Gedenkdienstleistende sollte Interesse an der Arbeit mit historischen Objekten und Dokumenten haben sowie sich gut in einer Arbeitsumgebung mit meistens älteren Personen einfügen können. Grundsätzliche Vorkenntnisse zum Nahostkonflikt sind erforderlich, um sich in die schnelllebige und oftmals konfliktgeladene Umgebung einfühlen zu können. Die Arbeitssprache vor Ort ist Deutsch, allerdings wird der Besuch eines Hebräischkurses (entweder als Vorbereitung vor dem Dienst oder vor Ort, z.B. auf der Universität in Jerusalem) sehr empfohlen.

 

  • Inhaltliche Auseinandersetzung mit der Thematik Holocaust
  • Interesse an der Arbeit in Archiven, in pädagogischen Bereichen (International School for Holocaust Studies) sowie in öffentlichen, prestigeträchtigen Umfeldern (Begleiten von Delegationen)
  • Gute historische und politische Kenntnisse, besonders über die Rolle Österreichs im Holocaust, aber auch ein Gespür für die Tragweite des Vergangenen und das Lernen aus dem Vergangenen als ein Werkzeug zur positiven Zukunftsgestaltung (Yad Vashem Motto: Remembering the past, shaping the future) entwickeln
  • Sehr gute Englischkenntnisse
  • Bewusstsein für die Rolle einer wichtigen nationalen Gedenkstätte und die dafür erforderliche Kompromissbereitschaft, Zurückhaltung, aber auch Innovationsbegeisterung und Eigeninitiative
  • Sicheres Auftreten
Kontakt

Yad Vashem – The Martyrs‘ and Heroes‘ Remembrance Authority

P.O.B. 3477
91034 Jerusalem (Israel)
www.yadvashem.org

 
Kontakt zu der oder dem derzeitigen Gedenkdienstleistenden
Ausgewählte Literatur
  • Christopher Browning, Ganz normale Männer. Das Reserve-Polizeibataillon 101 und die „Endlösung“ in Polen, Reinbek bei Hamburg 1999.
  • Sabine Moller, Karoline Tschugnall, Opa war kein Nazi. Nationalsozialismus und Holocaust im Familiengedächtnis, Frankfurt 2002.
  • Werner Bergmann, Geschichte des Antisemitismus, München 2004.
  • Wieslaw Kielar, Anus Mundi. Fünf Jahre Auschwitz, Frankfurt am Main 1979.
  • Hannah Arendt, Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen, München u.a. 1986.
  • Gideon Greif, „Wir weinten tränenlos.“ Augenzeugenberichte des jüdischen „Sonderkommandos“ in Auschwitz, Frankfurt am Main 1999.
  • Tom Segev, Jürgen Peter Krause, Die siebte Million. Der Holocaust und Israels Politik der Erinnerung, Reinbek 1995.
  • Sämtliche Ausgaben des vierteljährlich herausgegebenen Yad Vashem Magazines. Besonders hervorzuheben die Spezialausgabe von Herbst 2003, online abrufbar unter https://www.yadvashem.org/sites/default/files/yv_magazine31.pdf
  • Österreichische Jugendinfos, Youth Reporters in Israel: Gedenkdienst in Yad Vashem, 2018.