Leo Baeck Institute

Hauptaufgabe der Institution

Das Leo Baeck Institute wurde 1955 von deutschsprachigen-jüdischen EmigrantInnen gegründet. Es besitzt Zweigstellen in London, Jerusalem und New York. In den über 50 Jahren seines Bestehens wurde das Leo Baeck Institute die weltweit führende Forschungsinstitution zur Geschichte des deutschsprachigen Judentums. Das Ziel der Initiatoren war es, das Andenken an das in Deutschland und Österreich durch den Nationalsozialismus weitgehend vernichtete Judentum zu bewahren.

Gemeinsam mit dem Verein GEDENKDIENST, dem Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien (VWI) und dem Zentrum für Jüdische Kulturgeschichte der Universität Salzburg (ZJK) wurde das seit Mitte der 1990er-Jahre am Leo Baeck Institute in New York ansässige Projekt Austrian Heritage Collection im Jahr 2012 auf Israel ausgeweitet.  Ziel des Projekts ist es, mittels Fragebögen, Dokumenten und Oral-History Interviews Verfolgung, Vertreibung und Emigration österreichischer Jüdinnen und Juden nach Palästina/Israel während bzw. nach dem Zweiten Weltkrieg zu dokumentieren. Seit Beginn des Projekts wurden über 400 Fragebögen 

gesammelt und rund 100 Interviews geführt. Die Interviews und damit zusammenhängende lebengeschichtliche Materialien werden in den kommenden Jahren von ProjektmitarbeiterInnen in Wien im Rahmen des Datenbank/Webpage-Projekts Austrian Heritage Archive (AHA) für WissenschaftlerInnen und historisch interessierte Personen aufbereitet, transkribiert und unter www.austrianheritagearchive.at kostenlos zur Verfügung gestellt. 

 

Aufgabenbereiche der Gedenkdienstleistenden
  • Kontaktaufnahme zu österreichischen EmigrantInnen und Holocaust-Überlebenden für das Austrian Heritage Collection Project
  • Durchführung von Oral History Interviews mit den kontaktierten Personen
  • Aussendung zweier Fragebögen und Betreuung der kontaktierten Personen sowie Durchführung der gesamten Recherche
  • Mitarbeit im Archiv des Instituts: Bestandsbeschreibungen, Sammlung von Dokumenten, Briefen, Tagebüchern, Fotos etc. von österreichischen EmigrantInnen und Holocaust-Überlebenden
  • Korrespondenz mit österreichischen Organisationen, die bei der Durchführung des Projekts hilfreich sind  
  • Mitarbeit in der Bibliothek des Instituts
  • Mithilfe bei der Organisation von Veranstaltungen

Die Arbeit der Gedenkdienstleistenden

Die Hauptaufgabe des Gedenkdienstleistenden am Leo Baeck Institute (LBI) in Jerusalem ist die Betreuung der Austrian Heritage Collection (AHC). Die AHC wird vom Gedenkdienstleistenden nicht nur erweitert, sondern er ist auch für die Betreuung und den Fortbestand der Sammlung verantwortlich. Einen großen Teil der Arbeitszeit nimmt die Kontaktaufnahme zu EmmigrantInnen und Überlebende des Holocaust ein. Dabei kommen Personen in ganz Israel in Frage. Die erste Kontaktaufnahme geschieht dabei in den meisten Fällen telefonisch. Sofern sich die Personen bereiterklären interviewt zu werden, wird ein Termin vereinbart um das Interview durchzuführen. Die Interviews werden im Normalfall bei den kontaktierten Personen zu Hause geführt und mit einer Videokamera und mit einem digitalen Rekorder aufgezeichnet. Des Weiteren scannen bzw. kopieren die Gedenkdienstleistenden im Anschluss an das Interview für die Lebensgeschichte wichtige biografische Materialien (bspw. Dokumente und Fotos). Interviews können unterschiedlich lang dauern. Häufig dauert die Aufnahme rund eineinhalb Stunde, es kann aber auch vorkommen, dass Interviews viele Stunden lang dauern und über mehrere Sitzungen hinweg aufgezeichnet werden müssen. Sobald die Interviews dann aufgenommen sind, werden sie und die kopierten Materialien bzw. Scans im Institut nachbearbeitet und dem Archiv übergeben. Eine Kopie des Interviews wird an die Familie der oder des Interviewten gesendet.

Sollte zusätzlich noch Arbeitszeit übrigbleiben, arbeiten die Gedenkdienstleistenden am LBI mit und unterstützen die Organisation in der Archivarbeit und Bibliothek.

Maxime Gisinger

Wohn- und Lebensbedingungen, Lebenshaltungskosten, Sicherheit

Die Preise in Jerusalem bzw. in Israel sind etwas teurer als in Österreich. Eine Wohnung wird von der Einsatzstelle nicht zur Verfügung gestellt. Es gibt einige gute Homepages auf denen leistbare Wohnungen zu finden sind; diese sind allerdings zumeist in hebräischer Sprache. Es wird geraten rechtzeitig mit der/dem Gedenkdienstleistenden vor Ort Kontakt aufzunehmen, bzw. zusammen mit einer Person, die Hebräisch spricht, im Internet nach einer geeigneten Wohnung zu suchen oder vielleicht sogar die Wohnung der/des aktuellen Gedenkdienstleistenden weiter zu mieten. Eine leistbare Wohnung sollte im Durchschnitt nicht mehr als 2.000 NIS (inklusive aller anfallenden Gebühren) kosten. Der Vorteil an einer Einsatzstelle in Israel (Tel Aviv, Akko oder Jerusalem) ist sicherlich die überschaubare Größe des Landes. Jeder Ort ist schnell und sogar preiswert zu erreichen, sei es das Mittelmeer, das rote Meer oder das Tote Meer, Städte, wie Tel Aviv, Haifa, Eilat oder Akko, die Wüste Negev, die Oasenlandschaft Ein Gedi oder der See Genezareth.

Das Klima ist durchwegs sehr warm. In Tel Aviv und Akko ist es manchmal leider unangenehm schwül und in Jerusalem ist es vor allem im Winter oftmals sogar ziemlich kalt. Das Klima ist durchwegs sehr warm. In Tel Aviv und Akko ist es manchmal leider unangenehm schwül und in Jerusalem ist es vor allem im Winter oftmals sogar ziemlich kalt. 

Jerusalem ist eine unglaublich spannende Stadt mit zahlreichen Möglichkeiten (außer vielleicht am Shabbath) und einer wechselvollen Geschichte von internationaler und politikbestimmender Bedeutung. Zentral gelegen ist das lebendige Tel Aviv und das Tote Meer in etwas mehr als einer halben Stunde bequem zu erreichen.

Zu zusätzlichen Fragen, wie der aktuellen politischen Lage in Israel, ist es empfehlenswert sich an die/den derzeitigen Gedenkdienstleistenden und an die/den StellenbetreuerInnen zu wenden. Generell sind die Sicherheitsvorkehrungen hier aber auf einem sehr hohen Standard. Es ist jedoch ratsam, nicht nur für den Bewerbungsprozess, sondern auch aus sicherheitstechnischen Gründen das aktuelle Geschehen medial zu verfolgen.

Folgende Anforderungen sollten erfüllt werden

Die wichtigsten Anforderungen an Gedenkdienstleistende in Jerusalem sind, dass sie viel eigene Motivation mitbringen und eigenverantwortlich arbeiten können. Die Austrian Heritage Collection in starkem Ausmaß durch die Gedenkdienstleiste oder den Gedenkdienstleistenden betreut. Soziale Kompetenz und Kommunikationsfreude sind außerdem eine wichtige Voraussetzung im Umgang mit EmmigrantInnen und Überlebenden des Holocaust. Ihre Geschichte kann oft aufwühlend sein, sowohl für die Gedenkdienstleistende oder den Gedenkdienstleistenden, als auch die interviewte Person. Sicheres Auftreten und eine gefestigte Persönlichkeit sind außerdem nicht nur im Umgang mit EmigrantInnen und Überlebenden des Holocaust wichtig, sondern auch um sich in Jerusalem wohlzufühlen. Wie bei allen Gedenkdienststellen ist historisches Interesse und fundiertes Wissen zum Thema Emigration und Holocaust Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Gedenkdienst in Jerusalem.

  • Eigeninitiative und Selbstständigkeit
  • Kontakt- und Kommunikationsfreudigkeit
  • Soziale Kompetenz und Sicherheit im Umgang mit älteren Personen
  • Gute Englischkenntnisse; Hebräischkenntnisse sind von Vorteil
  • Eigeninitiative und Selbstständigkeit
  • Interesse an historischer Arbeit
  • Sicheres Auftreten
  • Grundwissen über die Shoah und Emigration
Kontakt

Leo Baeck Institute Jerusalem

33 Bustenai POB 8298
9322928 Jerusalem (Israel)

www.leobaeck.or

 
Kontakt zu der oder dem derzeitigen Gedenkdienstleistenden

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Ausgewählte Literatur
  • Wolfgang Benz, Der Holocaust, München 1995.
  • Gabriele Anderl, Vertreibung und Neubeginn. Israelische Bürger, österreichischer Herkunft, Wien 1992.
  • Evelyn Adunka, Exil in der Heimat. Über die Österreicher in Israel. Wien 2002.
  • Viktoria Kumar, Land der Verheißung – Ort der Zuflucht. Jüdische Emigration und nationalisozialistische Vertreibung aus Österreich nach Palästina 1920–1945, Wien 2016.
  • Gabriele Rosenthal, Interpretative Sozialforschung. Eine Einführung, 4. Auflage, Basel 2014, 150–182 (Kapitel 5 Vom offenen Leitfadeninterview zum narrativen Interview und Kapitel 6 Biographieforschung und Fallrekonstruktionen).
  • Christian Klösch, The Austrian Heritage Collection at the Leo Baeck Institute . Ein wissenschaftliches Projekt zur Dokumentation von Lebensgeschichten vertriebener ÖsterreicherInnen in den USA,  235–239, in: Martin Horvat/Anton Legerer/Judith Pfeifer/Stefan Roth, Hg., Jenseits des Schlussstrichs. Gedendienst im Diskurs über Österreichs nationalsozialistische Vergangenheit, Wien 2002.
  • Albert Lichtblau, Community-orientiertes Arbeiten konkret. Die Austrian Heritage Collection in New York, in: Ulla Kriebernegg/Gerald Lamprecht/Roberta Maierhofer/Andrea Strutz, Hg., „Nach Amerika nämlich!“ Jüdische Migrationen in die Amerikas des 19. und 20. Jahrhundert, Göttingen 2012, 135–156.