Internationale Jugendbegegnungsstätte Terezín/Theresienstadt

Hauptaufgabe der Institution

Am Ende des 18. Jahrhunderts ließ Kaiser Joseph II. nordwestlich von Prag Theresienstadt als Festungsanlage errichten. Nach der Besetzung Tschechiens durch die Wehrmacht im März 1939 wurde das Protektorat Böhmen und Mähren eingerichtet. Im Juni 1940 wurde in der Kleinen Festung ein Gefängnis der Gestapo installiert, wo vor allem politische Gefangene und WiderstandskämpferInnen inhaftiert wurden. Die ehemalige Garnisonsstadt wurde im Oktober 1941 zur Großen Festung ernannt und zum Sammel- und Durchgangslager für Jüdinnen und Juden aus dem Protektorat, später auch für alle aus ganz Europa. Die dort ansässigen EinwohnerInnen mussten die Stadt verlassen und Theresienstadt wurde zu einem Ghetto unter ‚jüdischer Selbstverwaltung’. Die Nationalsozialisten bezeichneten Theresienstadt als ‚Vorzeigeghetto’ und ab der Wannsee-Konferenz 1942 als ‚Altersghetto’ für prominente und alte Jüdinnen und Juden aus Europa vorgesehen. Unter den Häftlingen befanden sich auch etwa 15.000 Kinder, welche in sogenannten Kinderheimen untergebracht waren und geheim von ihren BetreuerInnen unterrichtet wurden. Im Ghetto gab es Cafés und kulturelle Veranstaltungen. Ab 1942 begannen die Deportationen vom Ghetto in die Vernichtungslager. Von den etwa 141.000 Menschen, die ab 1941 nach Theresienstadt deportiert wurden, erlebten nur rund 19.000 Menschen die Befreiung durch die Rote Armee am 8. Mai 1945. Nach dem Kriegsende diente die Kleine Festung als Internierungslager für Kriegsgefangene und Nationalsozialisten, welche 1947 durch den Beschluss der Prager Regierung zur Gedenkstätte des nationalen Martyriums umgewandelt wurde. 1991 wurde im ehemaligen Knabenheim während des NS-Regimes ein Ghetto-Museum mit einer Dauer- und Wechselausstellungen errichtet. Neben einem jüdischen Friedhof, einer Betstube und verschiedenen Ausstellungen befindet sich in der Gedenkstätte Theresienstadt (Památník Terezín) eine Jugendbegegnungsstätte mit einem umfangreichen Bildungsprogramm für Jugendliche und Erwachsene sowie ein Archiv. Heute leben etwa 3.000 Menschen in dieser Stadt.

 

Aufgabenbereiche der Gedenkdienstleistenden
  • Organisation und Betreuung hauptsächlich deutsch- und englischsprachiger Gruppen
  • Programmgestaltung und -entwurf für Gruppen
  • Programmdurchführung inklusive Leitung von Führungen, Moderation von Gesprächen mit ZeitzeugenInnen, Leitung von Workshops, Diskussionsrunden, etc.
  • Kommunikation und Abstimmung mit den Einrichtungen der Gedenkstätte (z.B. Buchung von Unterkünften, Essen, Guides)
  • Kommunikation und Abstimmung mit ZeitzeugInnen
  • Eventuelle Teilnahme an weiterbildenden Seminaren gerichtet auf Holocaust-Education
  • Erweiterung der häufig genutzten Programmbausteine (z.B. neue Filme, Workshops, etc.)

Die Arbeit der Gedenkdienstleistenden

In der Gedenkstätte Theresienstadt/Památník Terezín arbeiten derzeit zwei Freiwillige in einem aus Ihnen bestehenden Freiwilligenbüro, welches sich in der Magdeburger Kaserne befindet. Neben dem Verein GEDENKDIENST entsendet auch der deutsche Verein Aktion Sühnezeichen Friedensdienste alljährlich eine Freiwillige oder einen Freiwilligen. Die Freiwilligen teilen sich die Arbeit selbstständig und eigenverantwortlich auf. Sie sind verantwortlich für die Organisation und Betreuung von Gruppen (meist bestehend aus Schülerinnen und Schülern, aber auch Erwachsenengruppen), erstellen in Absprache mit der Gedenkstätte und der Besuchergruppenleitenden ein individuelles Programm für die vorgefertigte Programmpunkte zu Verfügung stehen, die genutzt werden können, aber auch durch eigene Programmpunkte ergänzt werden können. In der Regel bleiben die Gruppen mehrere Tage, somit gibt es erweiterte Möglichkeiten mit den Besucherinnen und Besuchern in die Thematik einzutauchen und sie auf unterschiedliche Art und Weisen zu beleuchten. Am Anfang des Programms steht für gewöhnlich eine Führung durch das ehemalige Ghetto Theresienstadt durch die Freiwilligen selbst. Weitere Programmpunkte wie z.B. ein Gespräch mit ZeitzeugInnen wird von den Gedenkdienstleistenden moderiert und organisiert. Auch Workshops werden durch die Freiwilligen geleitet, vor- und nachbereitet. Die Unterkünfte für die Gruppen werden durch das Freiwilligenbüro gebucht, und die Besuchergruppen auch der Weg gezeigt. In der Kantine der Gedenkstätte kann an Wochentagen kostenlos (nicht fleischlos) gegessen werden.

Simon Waldhör

Wohn- und Lebensbedingungen, Lebenshaltungskosten, Sicherheit

Die Gedenkdienstleistenden und Freiwilligen der Aktion Sühnezeichen Friedensdienst wohnen in der etwa drei km von Terezín entfernten Stadt Litoměřice. Es gibt eine seit Jahren bestehende und regelmäßig an die jeweils nächste Generation weitergegebene etwa 90 m² große, helle und voll möblierte Wohnung im Dachgeschoß. Jede Mitbewohnerin und jeder Mitbewohner hat ein eigenes Zimmer. In Gehweite der Wohnung befindet sich ein Supermarkt (auch am Sonntag offen), auch der Stadtkern von Litoměřice ist zu Fuß erreichbar und bietet eine Vielzahl von Restaurants, Bars und schönen Plätzen.

Die anderweitigen Lebenshaltungskosten fallen übersichtlich aus. Lebensmittel und öffentliche Verkehrsmittel, sowie Kosten für Freizeitaktivitäten sind meist etwas preisgünstiger, andere Artikel des täglichen Lebens sind größtenteils auf österreichischem Preisniveau. Die Gedenkstätte ist wahlweise mit dem Bus (ca. 15–20 Minunten), mit dem Rad (ca. 30 Minuten) oder auch zu Fuß (ca. 1 Stunde) erreichbar. Die große Nähe zu Prag legt Besuche z.B. am Wochenende nahe, erreichbar per Bus oder Bahn in etwas über einer Stunde. Generell gibt es ein sehr umfangreiches Bahnnetz, wodurch auch kleinere Destination leicht erreichbar sind. Die Sicherheitslage in Tschechien ist mit der Österreichs vergleichbar.

Folgende Anforderungen sollten erfüllt werden

Die Arbeit verlangt viel Selbstständigkeit und Kommunikationstalent, gewährt aber auch viel Freiheit und eine Chance zur Weiterentwicklung. Die Gruppenbetreuungszeiten sind oft anspruchsvoll und kräftezehrend, allerdings bieten sie auch viel Möglichkeiten an wertvollen Erfahrungen an.

 

  • Interesse an der Arbeit mit Jugendlichen
  • Erhöhtes Maß an Selbstständigkeit
  • Flexibilität in Bezug auf Arbeitszeiten und Aufgabengebiete
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Kooperationsbereitschaft  und Verlässlichkeit in der Organisation
  • Motivation, selbst zu gestalten
  • Emotionale und psychische Stabilität
Kontakt

Gedenkstätte Terezín – Pamatnik Terezín

Principova alej 304
411 55 Terezín (Tschechien)
www.pamatnik-terezin.cz

 
Kontakt zu der oder dem derzeitigen Gedenkdienstleistenden
Ausgewählte Literatur
  • Hans Günther Adler, Theresienstadt 1941–1945. Das Antlitz einer Zwangsgemeinschaft, Göttingen 2005.
  • Wolfgang Benz, Theresienstadt. Eine Geschichte von Täuschung und Vernichtung, München 2013.
  • Hannelore Brenner-Wonschick, Theresienstadt. Die Mädchen vom Zimmer 28. Kompendium 2016, Room 28 Bildungsprojekt, Berlin 2016.
  • Ruth Elias, Die Hoffnung erhielt mich am Leben, München 1990.
  • Camilla Hirsch, Tagebuch aus Theresienstadt, Wien 2017.
  • Jehuda Huppert, Hana Drori, Theresienstadt, Ein Wegweiser, Prag 2000.
  • Institut Terezínské Iniciativy, Prag/Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes, Hg., Theresienstädter Gedenkbuch. Österreichische Jüdinnen und Juden in Theresienstadt 1942–1945, Prag 2005.
  • Martin Niklas, „… die schönste Stadt der Welt“. Österreichische Jüdinnen und Juden in Theresienstadt, Schriftenreihe des Dokumententationsarchiv des österreichischen Widerstands zur Geschichte der NS-Gewaltverbrechen, Band 7, Wien 2009.
  • Helga Pollak-Kinsky, Mein Theresienstädter Tagebuch 1943–1944. Und die Aufzeichnungen meines Vaters Otto Pollak, 1. Auflage, Berlin 2014.
  • Theresienstädter Studien und Dokumente
  • Otto Weiss, Und Gott sah, dass es schlecht war, Göttingen 2002.
  • Ilka Wonschik, „Es war wohl ein anderer Stern, auf dem wir lebten …“, 2. Auflage, Berlin 2014.