AFI – Hogar Hirsch, Centro de Excelencia para Adultos Mayores

Hauptaufgabe der Institution

Die Asociación FilantropicaIsraelita (AFI) wurde am 26. April 1933 von Adolfo Hirsch, Ernesto Oppenheimer und Ricardo Sadler gegründet. Sie sahen die sich schnell verschärfende Situation in Deutschland und beschlossen einen Wohltätigkeitsverein für deutschsprachige-jüdische EmigrantInnen ins Leben zu rufen. Die AFI kümmerte sich um Einreiseerlaubnisse, Arbeitsmöglichkeiten, Spanischkurse und teilweise sogar um die Möblierung der Wohnungen für die vor dem Nationalsozialismus geflüchteten Jüdinnen und Juden. Im Laufe der Jahre traten neue Aufgaben hinzu. So wurde etwa ein Kindergarten gegründet, da oft beide Elternteile arbeiten mussten, um die Familie zu erhalten. Auch ältere Jüdinnen und Juden aus Deutschland mit ihren schon erwachsenen Kindern flohen nach Argentinien. Dies war einer der Gründe für die Errichtung des Altersheims 1940. Das passende Grundstück wurde in San Miguel gefunden, einem Vorort im Nordwesten von Buenos Aires. Seit einigen Jahren steht das Hogar Hirsch auch Personen anderer Glaubensgemeinschaften zur Verfügung und bietet neben dem gewöhnlichen Altersheim auch eine modere Rehabilitationsklinik an. Die Institution gehört seit Jahren zum Spitzenfeld der Privatinstitutionen in Südamerika. Auch wenn die Zahl an Jüdinnen und Juden mit deutscher oder österreichischer Herkunft in den letzten Jahrzehnten spürbar abgenommen hat, machen diese Personen noch immer einen beachtlichen Teil der HeimbewohnerInnen aus. Seit 2018 gibt es zusätzlich zum Heim in San Miguel auch eine weitere Rehabilitationsklinik des AFI in Belgrano.

Aufgabenbereiche der Gedenkdienstleistenden
  • Organisation von/Mitarbeit bei Talleres (Workshops) und Festen im Altersheim
  • Persönliche Gespräche mit den HeimbewohnerInnen
  • Organisation und Verkauf im Kiosk
  • Unterstützung der MitarbeiterInnen beim Personentransport und der Instandhaltung der Informationstafeln
  • Begleitung der HeimbewohnerInnen bei Terminen oder anderen Wegen in der Stadt
  • Diverse Programme und Unterstützung beim Essen für PatientInnen mit Demenz im Sektor La Paloma

Die Arbeit der Gedenkdienstleistenden

Die Aufgaben der/des Gedenkdienstleistenden im Hogar Hirsch sind vielfältig und lassen sich, je nach Interessen und Fähigkeiten recht frei gestalten. Als Teil des Servicio Social ist man für das soziale Wohlergehen der ResidentInnen zuständig, hat ein offenes Ohr für ihre Probleme und versucht, in ihren routinierten Alltag, neue Aktivitäten zu bringen. Dabei ist Eigeninitiative immer gerne gesehen und man wird dabei unterstützt eigene Ideen und Projekte je nach Interesse und Fähigkeiten zu organisieren. Konkrete Talleres, die von den Freiwilligen organisiert bzw. mitorganisiert werden, sind beispielsweise Bingo, musikalische Aktivitäten, Gymnastik, Eiskaffee oder das Asado (Grillen). Neben der/dem Gedenkdienstleistenden beschäftigt der Servicio Social außerdem zwei Freiwillige aus Deutschland.  Ein weiterer großer Teil der Arbeit findet im Kiosk statt, in dem verschiedene Süßigkeiten und Parfümerieartikel verkauft werden. Gemeinsam mit den zwei deutschen Freiwilligen ist man hier für den Verkauf, das Nachbestellen und das in Ordnung halten zuständig. Das Ziel des Kiosks ist es, den BewohnerInnen, die das Heim nicht mehr verlassen können, die Freiheit zu geben, Artikel mit ihrem eigenen Geld zu kaufen. Viele ResidentInnen sind StammkundInnen und kommen regelmäßig, wobei eine gute Unterhaltung während des Einkaufes ein essentieller Teil der Aufgabe ist. Ein wichtiger Aspekt der Arbeit sind die Gespräche mit den BewohnerInnen. Hier erfährt man viel über ihre persönliche Geschichte und vor allem bei den Deutschsprachigen auch viel über ihr Leben in der Emigration. Besonders wichtig ist das für Menschen, die nicht mehr viel Familie oder nur Familie im Ausland haben. Diese Unterhaltungen können bei Besuchen in ihrem Zimmer, bei der Merienda (Jause) oder auch im sehr großen Garten des Heimes stattfinden.

 

Tobias Aigner

Wohn- und Lebensbedingungen, Lebenshaltungskosten, Sicherheit

Von der Wirtschaftskrise 2001 hat sich Argentinien wieder gut erholt, wobei in den letzten Jahren die wirtschaftliche Lage des Landes wieder zunehmend ins Schwanken geraten ist. Die steigende Inflation senkt dabei zwar die Lebenserhaltungskosten für die Gedenkdienstleistenden, aber trifft die Menschen des Landes, deren Geld fast monatlich weniger wert ist, hart. Trotz eines großen Kredits zur Stabilisierung des Landes durch den Internationalen Währungsfonds im Jahre 2018, muss man jederzeit damit rechnen, dass es weiter bergab gehen und mit steigender Armut sich auch die Sicherheit verschlechtern könnte.

Doch bis auf weiteres ist Argentinien ein sicheres Land, in dem die Kriminalität (abgesehen von vielen Taschendieben) nicht wesentlich schlimmer ist als Hierzulande. Trotzdem muss man aufpassen, wohin genau man sich bewegt. Palermo, das Viertel in dem die Gedenkdienstleistenden in den letzten Jahren meistens wohnten, ist touristisch und damit auch sehr sicher, dafür jedoch spürbar teurer zum leben. Es bietet dafür ein sehr großes und vielfältiges kulturelles Angebot.
Dadurch, dass das Hogar Hirsch sich außerhalb der Stadt befindet, ist der Arbeitsweg sehr lange. Zwischen Palermo und San Miguel sind es ungefähr 1,5 Stunden, die man mit dem Zug zurücklegen kann. An manchen Tagen der Woche gibt es auch die Möglichkeit mit einem Kleinbus des Heimes zurück in die Stadt zu fahren.

Folgende Anforderungen sollten erfüllt werden

Für die Arbeit ist es wichtig vor allem viel Geduld zu haben, menschlich und offen zu sein. Wenn man freundlich auf die BewohnerInnen zugeht, kriegt man dafür unglaublich viel Liebe zurück. Auch die MitarbeiterInnen unterstützen die Freiwilligen sehr. Es ist wichtig, sich tatsächlich für argentinische Kultur zu interessieren. Die generell sehr lebhaften ArgentinierInnen freuen sich immer über ihr Land zu erzählen und die Neuankömmlinge in die verschiedenen Sitten und Gebräuche einzuführen. Persönliche Beziehungen sind schneller und unkomplizierter aufgebaut als in Österreich, das kann jedoch Anfangs etwas aufdringlich wirken. Das argentinische Spanisch hat eigene Regeln und die meisten Menschen sprechen kein oder sehr wenig Englisch. Mitgebrachte Grundkenntnisse sind daher von großem Vorteil. Falls diese nicht vorhanden sind, ist es aber möglich (und empfehlenswert) sich in den Monaten vor dem Dienstantritt zumindest die grammatikalischen Grundstrukturen anzueignen, um den Einstieg zu erleichtern.

Kontakt

 

AusgwählteLiteratur
  • Am Schauplatz, Trotz allem Heimweh, Teil I, Teil II, Teil III, 2007.
  • Alfredo Jose Schwarz, Trotz allem. Die deutschsprachigen Juden in Argentinien, Wien/Köln/Weimar 1995.
  • Bettina Stangneth, Eichmann vor Jerusalem. Das unbehelligte Leben eines Massenmörders, Reinbek  2014.
  • TobiasKühn, „In Deutschland leben – das könnte ich nicht mehr“, unter: https://www.deutschlandfunk.de/judentum-in-deutschland-leben-das-koennte-ich-nicht-mehr.886.de.html?dram:article_id=410379
  • Philipp Mettauer, Erzwungene Emigration nach Argentinien. Österreichisch-jüdische Lebensgeschichten, Münster 2010.
  • Gabriela Stoppe, Demenz – Wenn das Leben entgleitet. Eine rätselhafte Krankheit verstehen und angstfrei damit umgehen, 1. Auflage, Bielefeld 2018.