Leo Baeck Institute

Hauptaufgabe der Institution

Das Leo Baeck Institute (LBI) wurde 1955 von deutschsprachig-jüdischen EmigrantInnen gegründet. Neben dem LBI New York und seiner Zweigstelle in Berlin gibt es auch weitere Teilinstitute in London und Jerusalem. In den über 50 Jahren seines Bestehens, entwickelte sich das Leo Baeck Institute zur weltweit führenden Forschungsinstitution zur Geschichte des deutschsprachigen Judentums. Das Ziel der Initiatoren war es, das Andenken an das in Deutschland und Österreich durch den Nationalsozialismus weitgehend vernichtete Judentum zu bewahren. Das Institut besteht aus einem Archiv, einer Kunstsammlung und einer Bibliothek mit mittlerweile über 80.000 – vorwiegend in deutscher Sprache verfassten – Büchern.
Gemeinsam mit dem Österreichischen Kulturinstitut in New York und der Universität Salzburg, initiierten der Verein GEDENKDIENST und das Leo Baeck Institute das Projekt Austrian Heritage Collection. Ziel des Projekts ist es, mittels Fragebögen, Dokumenten und Oral-History-Interviews Verfolgung, Vertreibung und Emigration österreichischer Jüdinnen und Juden in die USA während des Nationalsozialismus zu dokumentieren. Seit Beginn des Projekts im Sommer 1996 wurden über 4.000 Fragenbögen ausgewertet und rund 600 Interviews geführt. Mit vielen EmigrantInnen hat sich darüber hinaus ein persönlicher Kontakt entwickelt. Die Interviews und damit zusammenhängende lebensgeschichtliche Materialien werden in den kommenden Jahren von ProjektmitarbeiterInnen in Wien im Rahmen des Datenbank- und Webpage-Projekts Austrian Heritage Archive (AHA) für WissenschaftlerInnen und historisch interessierte Personen aufbereitet, transkribiert und unter www.austrianheritagearchive.at kostenlos zur Verfügung gestellt.

Aufgabenbereiche der Gedenkdienstleistenden
  • Kontaktaufnahme zu aus Österreich stammenden jüdischen EmigrantInnen und Holocaustüberlebenden für die Austrian Heritage Collection
  • Durchführung von Oral-History-Interviews mit den kontaktierten Personen
  • Aussendung zweier Fragebögen und Betreuung der kontaktierten Personen sowie Durchführung der gesamten Recherche
  • Archivarbeit: Sammlung von Dokumenten, Briefen, Tagebüchern, Fotos etc. von österreichischen EmigrantInnen; Einpflegen von Archivmaterial in das Archivverzeichnis
  • Korrespondenz mit österreichischen Organisationen, die bei der Durchführung des Projekts hilfreich sind

 

Die Arbeit der Gedenkdienstleistenden

Die Hauptaufgabe der Gedenkdienstleistenden am LBI New York ist die Betreuung der Austrian Heritage Collection (AHC). Die AHC wird von den Gedenkdienstleistenden nicht nur erweitert, sondern sie sind auch für die Betreuung und den Fortbestand der Sammlung hauptverantwortlich. Einen großen Teil der Arbeitszeit nimmt die Kontaktaufnahme zu EmmigrantInnen und Überlebenden des Holocaust ein. Dabei kommen in erster Linie Personen im Ballungsraum New York, in Ausnahmefällen auch im Rest der USA, in Frage. Die erste Kontaktaufnahme geschieht dabei in den meisten Fällen telefonisch. Sofern sich die Personen bereiterklären interviewt zu werden, wird ein Termin vereinbart um das Interview durchzuführen. Die Interviews werden im Normalfall bei den kontaktierten Personen zu Hause geführt und mit einem digitalen Rekorder aufgezeichnet. Des Weiteren scannen bzw. kopieren die Gedenkdienstleistenden im Anschluss an das Interview für die Lebensgeschichte wichtige biografische Materialien (bspw. Dokumente und Fotos). Interviews können dabei unterschiedlich lang dauern. Häufig dauert die Aufnahme rund eine Stunde, es kann aber auch vorkommen, dass Interviews viele Stunden lang dauern und über mehrere Sitzungen hinweg aufgezeichnet werden müssen. Sobald die Interviews dann aufgenommen sind, werden sie im Institut digital nachbearbeitet und dem Archiv übergeben. Eine Kopie des Interviews wird an die Familie der oder des Interviewten gesendet. Zusätzlich werden etwaige übergebenen, kopierte oder gescannte Dokumente, beispielsweise Fotografien, Ausweise, Pässe, etc. katalogisiert und am LBI archiviert.
Sollte zusätzlich noch Arbeitszeit übrigbleiben, arbeiten die Gedenkdienstleistenden am LBI mit und unterstützen die Organisation in der Archivarbeit und Bibliothek.
Unabhängig von der Arbeit im Büro, sind die Gedenkdienstleistenden auch dafür zuständig, den Kontakt zu österreichischen Behörden, die bei der Durchführung des Projekts hilfreich sein könnten, beispielsweise dem Generalkonsulat in New York oder dem Kulturforum New York, aufrecht zu erhalten.

Sarah Sophia Minatti-Krauhs

Franziska Winkler

Wohn- und Lebensbedingungen, Lebenshaltungskosten, Sicherheit

New York ist der Innbegriff einer Großstadt. Eine pulsierende Metropole mit internationaler Vielfalt und kulturellem Reichtum. Mit über 8,6 Millionen EinwohnerInnen ist New York nicht nur die bevölkerungsreichste Stadt in den USA, sondern hat auch ungefähr gleich viele EinwohnerInnen wie Österreich. Die Bevölkerung von New York spricht rund 800 Sprachen und ein Anteil von fast 40% wurde nicht in den USA geboren. Die Metropolregion ist außerdem eine der wirtschaftsstärksten der Welt und gleichzeitig Sitz vieler internationalen Organisationen wie beispielsweise der UNO.
Allerdings ist New York auch eine besonders teure Stadt. Vor allem der Wohnungsmarkt lässt die Lebenshaltungskosten in New York stark ansteigen.

Mit der staatlichen Förderung für Gedenkdienstleistende allein kann man trotz Anpassung an die Lebenshaltungskosten in New York jedenfalls nicht auskommen.

Zusätzliche finanzielle Mittel sind dementsprechend eine traurige Grundvoraussetzung um Gedenkdienst in New York leisten zu können. Die Sicherheitssituation in New York hat sich in den letzten zwanzig Jahren stark verbessert. Das New York der 1970er bis 1990er Jahre ist nicht mehr mit dem heutigen New York vergleichbar. Manhattan und die zentral liegenden Regionen der restlichen Boroughs gelten als sicher. Trotzdem weist New York eine wesentlich höhere Kriminalitätsrate als Wien auf und man sollte darauf achten, in welchen Regionen man wohnt. Der Wohnungsmarkt ist teilweise chaotisch und kann eine große Herausforderung für Gedenkdienstleistende darstellen. Im Normalfall wird eine Untermiete in einer Wohngemeinschaft den Wohnort darstellen. Die Gedenkdienstleistenden werden von der Stellenbetreuung und den VorgängerInnen bei der Wohnungssuche unterstützt, diese kann sich aber trotzdem durchaus schwierig gestalten. Unter Umständen kann auch die Unterkunft des Vorgängers oder der Vorgängerin übernommen werden.

Folgende Anforderungen sollten erfüllt werden

Die wichtigsten Anforderungen an Gedenkdienstleistende in New York sind, dass sie viel eigene Motivation mitbringen und eigenverantwortlich arbeiten können. Die Austrian Heritage Collection wird beinahe ausschließlich durch die Gedenkdienstleistenden betreut und geführt und ist damit stark von der Motivation der einzelnen Gedenkdienstleistenden abhängig. Soziale Kompetenz und Kommunikationsfreude sind außerdem eine wichtige Voraussetzung im Umgang mit Überlebenden der Shoah. Ihre Geschichte kann oft aufwühlend sein, sowohl für die Gedenkdienstleistenden, als auch die interviewte Person. Sicheres Auftreten und eine gefestigte Persönlichkeit sind außerdem nicht nur im Umgang mit den Holocaustüberlebenden wichtig, sondern auch um sich in der Millionenmetropole New York wohlzufühlen. Wie bei allen Gedenkdienststellen ist ein historisches Interesse und ein fundiertes Wissen zum Thema Shoah und Emigration Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Gedenkdienst in New York.

  • Eigeninitiative und Selbstständigkeit
  • Kontakt- und Kommunikationsfreudigkeit
  • Soziale Kompetenz und Sicherheit im Umgang mit älteren Personen
  • Gute Englischkenntnisse
  • Interesse an historischer Arbeit
  • Sicheres Auftreten
  • Grundwissen über den Holocaust und Emigration in die USA

 

 

Kontakt

 

Ausgewählte Literatur
  • Wolfgang Benz, Der Holocaust (Originalausg). München 1995.
  • Joseph Berger, Displaced persons. Growing up American after the Holocaust, New York 2002.
  • Raul Hilberg, Die Vernichtung der europäischen Juden, 9. erneut durchges. Ausg., Frankfurt am Main 1999.
  • G. Riemann, Interview, in: Ralf Bohnsack/Winfried Marotzki/Michael Meuser, Hg., Hauptbegriffe Qualitativer Sozialforschung, 3. durchgesehene Ausgabe, Opladen 2011, 94–98.
  • Gabriele Rosenthal, Biographische Methode, in: Heiner Keupp/Klaus Weber, Hg., Psychologie. Ein Grundkurs, Hamburg 2011, 266–275.
  • United States Holocaust Memorial Museum, Immigration To The United States 1933–41, Washington 2019, unter: https://encyclopedia.ushmm.org/content/en/article/immigration-to-the-united-states-1933-41 (05.01.2019).
  • Michael A. Meyer, German Jews. The History and the Heritage. Celebrating 60 Years of the Leo Baeck Institute. 58th Leo Baeck Memorial Lecture, New York 2015, unter: https://www.youtube.com/watch?v=j8wbzP1gTOk (05.01.2019).
  • Ric Burns, New York. A Documentary Film, 2003.