Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück

Hauptaufgabe der Institution

Ab 1939 ließ die SS, circa 90km von Berlin entfernt, das größte Frauen-Konzentrationslager auf deutschem Gebiet errichten. Im selben Jahr wurden die ersten weiblichen Häftlinge aus dem KZ Lichtenburg nach Ravensbrück verlegt. 1941 entstand ein Männerlager und 1942 wurde in der Nähe das so genannte Jugendschutzlager Uckermark für junge Frauen und Mädchen errichtet. Bis 1945 wurde das Frauenkonzentrationslager ständig vergrößert, innerhalb des Geländes entstanden Produktionsstätten für ‚traditionelle Frauenarbeiten’, vor allem in der Textilproduktion. Zusätzlich errichtete die Firma Siemens & Halke Werkhallen, in denen ab 1942 die Häftlinge des Lagers zur Arbeit gezwungen wurden. In den Jahren 1939 bis 1945 sind etwa 120.000 Frauen und Kinder, 20.000 Männer und 1.200 weibliche Jugendliche als Häftlinge registriert worden. Ab 1941 wurde Ravensbrück als Hinrichtungsstätte genutzt. Anfang 1945 wurde eine provisorische Gaskammer eingerichtet, in der von Ende Jänner bis April 1945 zwischen 5.000 und 6.000 Häftlinge ermordet wurden. Am 30. April 1945 wurden die etwa 2.000 in Ravensbrück zurückgelassenen Häftlinge von der Roten Armee befreit. In den Nachkriegsjahren wurden Teile des ehemaligen Lagers als Kaserne für sowjetische Truppen genutzt, jedoch gab es von den ehemaligen Häftlingen bereits früh Bemühungen, einen Ort der Erinnerung und des Gedenkens zu schaffen. Am 12. September 1959 wurde die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück eröffnet. Das erste Lagermuseum entstand im darauffolgenden Jahr im ehemaligen Lagergefängnis. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde die Gedenkstätte Teil der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten und stark umgestaltet: Alte Dauerausstellungen wurden geschlossen und durch neue Ausstellungskonzepte ersetzt. In den Häusern der ehemaligen Aufseherinnen wurde 2002 die Internationale Jugendbegegnungsstätte Ι Jugendherberge Ravensbrück eingerichtet. Seit 2013 gibt es die Hauptausstellung über das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück sowie kleinere vertiefende Dauerausstellungen über den Zellenbau, die Aufseherinnen, das männliches SS-Personal und Zwangsarbeit.

Aufgabenbereiche der Gedenkdienstleistenden
  • Unterstützung der pädagogischen Abteilung bei Führungen, Studientagen, Workshops und Seminaren mit dem Schwerpunkt genderreflektierter Bildungsarbeit an der Gedenkstätte Ravensbrück
  • Betreuung von Jugendgruppen und Schulklassen im Gedenkstättengelände
  • Archivarbeit für die Ergänzung und Erschließung von themenbezogenen Quelleneditionen sowie Vervollständigung und Fortführung des Medienarchivs
  • Abteilungsübergreifende Arbeiten (Archiv, Depot, Gedenkstättenleitung, Veranstaltungen, etc.)
  • Unterstützung bei den Arbeiten des Internationalen Freundeskreises Ravensbrück für die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück e.V.
  • Mitarbeit und Unterstützung von temporären Projekten
  • Mitarbeit im Büro und Bibliothek (gewöhnliche Bürotätigkeiten)

Die Arbeit der Gedenkdienstleistenden

Die oder der Gedenkdienstleistende ist Teil der pädagogischen Abteilung der Gedenkstätte. Sie oder er hilft den MitarbeiterInnen der Abteilung bei der Durchführung von Rundgängen in der Gedenkstätte, betreut Jugendgruppen und Schulklassen während Workshops oder unterstützt bei Seminaren. Der Schwerpunkt der Seminare liegt auf genderreflektierter und geschlechtssensibler Bildungsarbeit. Neben die oder dem Gedenkdienstleistenden ist im Team der pädagogischen Dienste auch eine weitere Freiwillige oder ein weiterer Freiwilliger aus Deutschland beschäftigt. Zusätzlich zur pädagogischen Vermittlungsarbeit stellt die Arbeit im Archiv einen wichtigen Tätigkeitsbereich der freiwilligen Person dar. Ziel dieser Arbeit ist es, dass vorhandene Medienarchiv um themenrelevante Quellen laufend zu ergänzen und zu aktualisieren. Des Weiteren fallen für die Gedenkdienstleistenden auch Tätigkeiten an, welche die Abteilungen miteinander verbinden. So etwa die Arbeit im Depot oder bei Veranstaltungen, die von der Gedenkstätte organisiert werden. Außerdem unterstützen die Gedenkdienstleistenden Projekte des Internationaler Freundeskreises Ravensbrück für die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück e.V. Auch besteht die Möglichkeit, dass neben den ständigen Arbeiten auch die Mitarbeit bei temporären Projekten erfordert wird. Außerdem wird vorausgesetzt, dass auch gewöhnliche administrative Arbeiten im Büro und in der Bibliothek durchgeführt werden.

 

Im Jahrgang 2019/20 ist diese Einsatzstelle nicht besetzt.

Wohn- und Lebensbedingungen, Lebenshaltungskosten, Sicherheit

Die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück liegt etwa eine Fahrstunde von Berlin entfernt. Die Wohnung müssen sich die Gedenkdienstleistenden selbst organisieren. Bestenfalls sollte die Suche bereits vor Dienstantritt beginnen, da die Wohnungssuche in Berlin sehr mühsam sein kann. Bestenfalls sollte die Wohnung in der Nähe des Bahnhofs Gesundbrunnen liegen, um den Arbeitsweg etwas kürzer zu halten. Die Mieten in Berlin sind etwas günstiger als beispielsweise in Wien aber steigend. Wenn man das Glück hat, eine günstige Wohnung zu finden, sollten die Lebenserhaltungskosten kein Problem bereiten. 

Berlin ist eine beeindruckende Großstadt, in der man sich sehr schnell einlebt und zurechtfindet. Im Vergleich zu österreichischen Städten ist das Leben hier ein wenig günstiger. Berlin befriedigt jegliches Bedürfnis, sei es ein politisches, geschichtliches, musikalisches, kulturelles usw. Essen, Trinken und Freizeitvergnügen sind günstig und vielfältig. Gemeinsam mit den anderen Gedenkdienstleistenden in Berlin kann die Stadt gut erkundet werden. Berlin ist mit einer sehr guten Infrastruktur ausgestattet und so können leicht verschiedene Orte erreicht werden. Deutschland ist ein sicheres Land mit etwa gleichen Standards wie Österreich.

Folgende Anforderungen sollten erfüllt werden

Bestenfalls sollten die Gedendienstleistenden bereits mit Gruppen von Jugendlichen gearbeitet haben und Erfahrung mit der Gestaltung und Durchführung von Workshops mitbringen. Es empfiehlt sich die Lektüre von Basiswerken die Grundwissen über den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust vermittelt. Aufgrund der besonderen Geschichte der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück ist auch die Bereitschaft für die Auseinandersetzung mit geschlechtsspezifischen Aspekten an Gedenkstätten unabdingbar. Eigeninitiative und die Fähigkeit selbstständig zu arbeiten sind weitere Anforderungen, die erfüllt werden sollen. Da die tägliche Arbeit in einem ehemaligen Konzentrationslager nicht für jede Person geeignet ist, ist es wichtig emotional belastbar zu sein.

 

  • Erfahrung in der Arbeit mit Jugendlichen
  • Erfahrung in der Organisation und Durchführung von Workshops
  • Selbstständiges Arbeiten
  • Organisationstalent
  • Sicheres Auftreten und gute Kommunikationsfähigkeit
  • Da bei Jugendarbeit oft nicht vorhersehbare Situationen entstehen können, ist es wichtig, flexibel zu sein und sachlich und professionell darauf einzugehen
Kontakt

Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück

Straße der Nationen
16798 Fürstenberg an der Havel (Deutschland)
www.ravensbrueck-sbg.de

 
Kontakt zu der oder dem derzeitigen Gedenkdienstleistenden
Ausgewählte Literatur
  • Wolfgang Benz, Der Holocaust. München 2014.
  • Alyn Beßmann, Insa Eschebach, Hg., Das Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück. Geschichte und Erinnerung. Berlin 2013.
  • Simone Erpel, Hg., Im Gefolge der SS. Aufseherinnen im Konzentrationslager Ravensbrück. Berlin 2007.
  • Insa Eschebach, Katharina Zeiher, Hg., Ravensbrück 1945. Der lange Weg zurück ins Leben. Berlin 2016.
  • Insa Eschebach, Regina Mühlhäuser, Hg., Krieg und Geschlecht. Sexuelle Gewalt im Krieg und Sex-Zwangsarbeit in NS-Konzentrationslagern. Berlin 2008.
  • Internationaler Freundeskreis e.V. für die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, Hg., Zwangsarbeit für Siemens im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück. Berlin 2017.
  • Annette Leo, Ravensbrück – Stammlager, in: Wolfgang Benz, Barbara Distel, Hg., Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager, Band 4: Flossenbürg, Mauthausen, Ravensbrück. München 2006, S. 473–520.
  • Peter Longerich, Politik der Vernichtung, München-Zürich 1998.
  • Karin Orth, Das System der nationalsozialistischen Konzentrationslager.